Cyber Security betrifft nicht nur mein Unternehmen
Autor
Joachim Gebhardt
Veröffentlicht
Supply Chain Security
Supply Chain Security: Egal ob etablierter KRITIS-Betreiber, Mittelständler oder IT-Dienstleister: Die digitale Sicherheit eines Unternehmens ist nur so stark, wie das schwächste Glied seiner Lieferkette.
In Deutschland betrifft das direkt ca. 30.000 Unternehmen, europaweit rund 160.000. Doch die tatsächliche Zahl steigt rapide: Durch die strengen Anforderungen an die Supply Chain Security ziehen Unternehmen ihre Zulieferer mit in die Pflicht – auch Firmen, die eigentlich gar nicht direkt unter NIS2 fallen.
Das Resultat: Die regelmäßige, nachweisbare Sicherheitsprüfung geschäftskritischer Anwendungen wird für fast jedes B2B-Unternehmen zur faktischen Pflicht.
Zwei Regulierungen bilden dafür das gesetzliche Zahnradsystem:
NIS2 (Anwender-Pflicht): Erzwingt die Risikoprüfung der eigenen Lieferanten und verankert die Haftung für die Wirksamkeitsprüfung direkt beim Vorstand.
CRA (Hersteller-Pflicht): Schließt die Lücke bei den Zulieferern. Wer Software oder vernetzte Hardware vertreibt, muss Security by Design, lückenlose SBOMs und aktives Schwachstellenmanagement vorweisen.
Und für die Finanzsektor erhöht DORA noch den Druck, indem es kompromisslose Standards für das IKT-Drittparteien-Risikomanagement von Banken, Versicherungen und deren IT-Dienstleistern setzt.
Die Konsequenzen im Alltag:
Für Management & Einkauf: Supply Chain Security wird von der lästigen Pflichtaufgabe zum harten K.-o.-Kriterium im Vertrieb. Einkaufsabteilungen fordern audit-fertige Nachweise ein; wer diese nicht liefern kann, verliert Marktanteile.
Für IT-Security-Profis: Das Ausfüllen statischer Excel-Fragebögen bei der Lieferantenbewertung hat ausgedient. Um den geforderten „Stand der Technik“ zu erfüllen, führt kein Weg an der kontinuierlichen, automatisierten Validierung kritischer Anwendungen und Schnittstellen vorbei.